Lexikon der Düfte

Das in Rosatönen gehaltene Buch wirkt vom äußeren Erscheinungsbild sehr verspielt und entspricht nicht dem Sachbuchcharakter, den man unwillkürlich an ein Lexikon stellt. Umso überraschter ist man von der klaren, übersichtlichen Struktur und dem sachlich fundierten Inhalt. Axel Meyer ist ein seit vielen Jahren geschätzter Autor zahlreicher Bücher zu unterschiedlichsten Themen. Wie ein roter Faden zieht sich seine Haltung zum ganzheitlichen Denken durch seine Werke. Auch in dem Lexikon der Düfte wird nicht nur im Vorwort und in seinen einleitenden Gedanken, die auch gesellschaftskritische Züge zeigen, der Wunsch deutlich, dass der Mensch und die Natur sich wieder annähern sollten.
Vor dem großen Hauptteil des Buches, den Pflanzen und ihren ätherischen Ölen, finden sich kurz gehaltene, allgemein informierende Kapitel, die wunderschön mit Aquarellen von Axel Meyers Tochter, Shantala Coenen, und Hilde Klages illustriert sind. Es werden die geschichtlichen Hintergründe der Aromatherapie, die Bedeutung der Düfte in der heutigen Zeit und die Physiologie des Riechens angesprochen.
Unter dem Kapitel "Möglichkeiten einer Duft-Verwandlung" findet man wiederum den Wunsch des Autors, nach ganzheitlicher Betrachtung. "Die Erkenntnis, dass unser Riechsinn Wegweiser unserer Sehnsüchte und Stimmungsbarometer unserer wahren Empfindungen ist, bewirkt eine veränderte Wahrnehmung der Umwelt, von der kaum ein Lebensbereich verschont bleibt."
Es folgen Informationen über Herkunft und Anbau der Pflanzen, wobei sehr intensiv auf das entscheidende Kriterium der Qualität des ätherischen Öls eingegangen wird. Dabei werden auch überraschende Hintergrundinformationen geliefert, zum Beispiel weshalb ein Öl aus biologisch-dynamischem oder kontrolliert biologischem Anbau nicht zwingend qualitativ besser sein muss als aus konventionellem Anbau. Weiterhin wird auf die unterschiedlichen Wege der Gewinnung der Essenz eingegangen und auf die Pflanzenfamilien im Einzelnen. Damit auch dem Laien der Einstieg in den Umgang mit den Ölen gelingt, werden die wichtigsten Informationen zur Anwendung in acht Punkten zusammengefasst.
Der eindrucksvolle Hauptteil des Buches umfasst in alphabetischer Reihenfolge weit über hundert Pflanzen. Pro Seite wird eine Pflanze mit Foto dargestellt. Farbig unterlegt sind der Name, die Familie, der Standort, die Gewinnung der Essenz, der Hauptwirkstoff, der Ölgehalt und besondere Charakteristika. Nach einer kurzen Einleitung erfolgt die Beschreibung nach folgender Einteilung: Pflanzenaufbau, Wirkungsweise, Eigenschaften und weitere Anwendungen. Meyer geht sowohl auf psychische, physische als auch auf spirituelle Bereiche ein, ohne dozierend zu wirken. Eine Prise Humor schwingt mit, wenn er u. a. beschreibt, dass die meisten Menschen dem Hopfenöl als Einschlafhilfe ein "frisch Gezapftes vom Fass" vorziehen.
Ein Hinweis am Schluss der jeweiligen Beschreibung verweist auf eventuelle Risiken bei der Anwendung wie mögliche Hautreizung, Allergie gegen Korbblütler oder phototoxische Reaktionen. Auch Kontraindikationen für die Anwendung ätherischer Öle in der Schwangerschaft und bei Babys werden deutlich hervorgehoben.
In den anschließenden Kapiteln wird auf die verschiedenen Methoden der Raumbeduftung, auf die richtige Dosierung und auf Kopf-, Herz-, und Basisnoten eingegangen.
In den Kapiteln zur Anwendung bleibt der Autor stets praxisbezogen. Die Rezepte sind einfach, aber dennoch nicht alltäglich, wie zum Beispiel das Lavendel-Honigbad oder das Rezept gegen Heißhungerattacken. Auch der Einnahme von ätherischen Ölen widmet der Autor ein Kapitel. Er verweist deutlich auf Punkte, die zur Therapiesicherheit beachtet werden müssen.
Abschließend bietet Meyer noch kleine Einblicke in die Aromatherapie für Wellness und Schönheit, beim Sport sowie für Babys, Kleinkinder und Schwangere.
Bei aller Überzeugung, die dieses Buch leistet, gibt es kaum Anlass für Kritik. Dennoch seien hier wenige Anmerkungen erlaubt. Nicht immer ganz glücklich ist die Seiteneinteilung des Kapitels "Ätherische Öle" gewählt. Beim ersten Durchsehen verwirrt, dass die farbig unterlegten "Steckbriefe" der Pflanzen einmal vor der ausführlichen Beschreibung, das heißt am Anfang der Seite, und einmal nach dieser, also am Ende oder sogar auf der nächsten Seite, stehen. So sieht man nicht auf den ersten Blick wo die Beschreibung anfängt und wo sie aufhört. Des Weiteren wäre es wünschenswert gewesen, den Armbeugetest in dem Kapitel über die zu beachtenden Punkten für den Umgang mit ätherischen Ölen aufzunehmen und nicht erst gegen Ende des Buches darauf hinzuweisen. Diese persönlichen Anmerkungen stellen jedoch die besondere Qualität des Buches nicht in Frage.
Fazit: Axel Meyer schafft mit der völlig neu überarbeiteten 11. Auflage dieses Buches einen Brückenschlag zwischen der Vermittlung von wissenschaftlicher, sachlicher Information und einer wunderschön illustrierten Lektüre, die man nicht mehr aus der Hand legen möchte.
Susanna Kurz, Dipl.-Psych., Physiotherapeutin, HP in Ausbildung