1. Rezension von Albrecht von Keyserlingk, Destillateur
Die Autorin zeigt sich als begeisterte Destillateurin und berichtet von ihren Erfahrungen mit einer kupfernen Leonardo-Destillationsapparatur mit angeschlossenem einfachem gläsernem Laborzubehör. Dieses Buch spricht Laien an, die sich hobbymäßig mit dem Thema Hydrolate befassen
möchten. Es ist schön bebildert und hat ein ansprechendes Layout.
Nach einer Einführung (aus Sekundärliteratur) über Geschichte, Technik, Anwendung folgen eigene Erfahrungen und Hinweise über Qualität sowie die handwerkliche Ausführung der Kleindestillation. Dann kommt die Autorin zum Hauptteil ihres Buches: einer Sammlung von Hydrolat-Monografien.
Jede Monographie enthält Fotos (einige Irrtümer in den Legenden seien übersehen), etwas Geschichtliches zu historischer Verwendung, Namensbildung und Volksheilkunde sowie eigene Erfahrungen und Hinweise für eine Individuelle Verwendung. Am Schluss finden sich Rezepte für Kosmetika wie Cremes oder Masken, Badezimmerartikel, Kochrezepte.
Alles ist anschaulich, praktisch und geeignet zum Selbstmachen. Das Ganze ist für den begeisterten Laien geschrieben, lehrreich und als solches amüsant zu lesen. Von einer kritischen Position aus könnte man vier Bemerkungen machen:
• Ein Hydrolat ist von Natur aus kondensiertes Kochwasser; andere Extraktionsverfahren können die Frische der Pflanzen gelegentlich besser darstellen.
• Pflanzen ohne destillierbare Mengen an ätherischen Ölen sind wenig sinnvoll mit Wasserdampf zu extrahieren.
• Hydrolate sind gefährdet, was Verpilzung und Bakterienkulturen betrifft. Oft finden sich Wolken, erst weiße dann dunkle, aus Pilzkulturen in Hydrolaten. Diese Gefahr wird vielleicht nicht genügend betont.
• Für ein Hobbybuch wäre eine Beschränkung auf die europäische Pflanzenwelt und die getrockneten Gewürze empfehlenswert gewesen, um jedem passionierten Laien zu ermöglichen, die Destillation selbst auszuprobieren.
Ein bedauerlicher Mangel an diesem sonst ansprechenden Buch ist das vollständige Fehlen der Quellen- und Literaturangaben. Auf S. 163 wird auf weiterführende Literatur im Anhang hingewiesen, dieser ist aber leider im Buch nicht auffindbar. Für den angesprochenen Leserkreis ist dieses Buch jedoch
ein schönes Weihnachtsgeschenk.

2. Rezension von Prof. Dr. Dr. Dietrich Waber, Natural Oils Research Association, N.O.R.A-International, Garching bei München
Dieses schöne und interessante Buch ist ein Gewinn für alle Freundinnen und Freunde der Düfte und der Aromatherapie. Zum Anfang sind allerdings einige zärtliche Kritikpunkte nötig. Entgegen der Aussage auf S. 15 gab es schon vor über 5 000 Jahren Destillationsanlagen, wenn auch nur kleine. Erinnert sei an die tönerne Anlage aus dem Industal. Sie enthält schon alle Bestandteile wie die großen technischen Anlagen der Araber. Auf S. 19 wird behauptet,
dass die Heilwirkung der Hydrolate die Wirkung der ätherischen Öle übertrifft. Das hat mit der Realität nichts zu tun. Auch ist es nicht so, dass es nur wenige alte Aufzeichnungen zur Destillation mit Wasser gäbe. Die arabische Literatur und die alchemistische Literatur wurden wohl vergessen. Die Wasserdampfdestillation ist auch nicht die einzige Möglichkeit, Hydrolate zu gewinnen.Diese Methode hat sich erst spät im 19. Jahrhundert aus der einfachen Wasserdestillation entwickelt. Außerdem sollte die Autorin das von John Dalton ca. 1825 beschriebene Naturgesetz des Partialdrucks studieren, das die Grundlage der Wasserdestillation darstellt. Dann könnte sie die fehlerhaften Angaben auf S. 21 vermeiden. Bei vielen Abbildungen wären erklärende Unterschriften hilfreich. Die Beschreibung des Selbst-Destillierens macht die große und einmalige Bedeutung dieses Buchs aus. Sehr kenntnisreich und detailgenau wird die Vorgehensweise beschrieben. 89 Pflanzen werden unter Hydrolate von A bis Z vorgestellt und die Wirkungen ihrer Destillationswässer beschrieben. Darunter befinden sich einige für Hydrolate durchaus ungewöhnliche Ausgangspflanzen. Auch die ausführliche Liste der Rezepte ist interessant und hilfreich für Kosmetik und Therapie. Die Anwendung in der Küche wurde nicht vergessen.
Dies ist ein Buch geworden, das in dem Bereich der Naturmedizin bisher fehlte. Es ist schön ausgestattet und mit viel Begeisterung geschrieben. Man/frau wird auf angenehme Weise dazu verführt sich mit einem Gebiet zu beschäftigen, das die Aromatherapie und die Aromakosmetik sehr positiv beeinflussen sollte. Und außerdem macht das Lesen darin einfach großen Spaß.