Der neue Duftführer

Haben Sie schon einmal Sirup für Chai-Tee gemacht? Oder wussten Sie, dass man 700 kg Wurzeln braucht, um einen Liter Irisöl zu bekommen? Dieses kleine, unscheinbare Buch birgt so manche große Überraschung. Nach dem eher unspektakulären Titelblatt stößt man auf knapp 200 Seiten voller interessanter und nicht alltäglicher Informationen. Das Buch ist eingeteilt in einen theoretischen Teil und einen Anwendungsteil. Neben gängigen Themen wie „Geschichte der ätherischen Öle“, „Gewinnung“ oder „Wirkungsweisen“ finden sich im Theorieteil auch Kapitel wie „Das Prinzip der Dreiheit“, „Der Lebenszyklus der Pflanzen“ oder die ausführliche Beschreibung der „Einteilung nach den vier Elementen“.
Leider fällt dem Leser schon beim ersten Durchblättern auf, dass das Inhaltsverzeichnis nicht immer mit den Überschriften im Buch übereinstimmt, was ein schnelles Nachschlagen erschwert. Ebenso leidet die Übersichtlichkeit des Theorieteils, wenn Inhalte gestückelt präsentiert werden. So findet man z. B. Anleitungen zur Dosierung sowohl im Kapitel „Düfte richtig mischen und dosieren“ als auch im Kapitel „Eigenschaften der ätherischen Öle“. Es stehen erklärende Texte mal über, mal unter den zugehörigen Tabellen. Auch die Tabelle der Zuordnung in Kopf-, Herz-, und Basisnoten steht zusammenhangslos viele Seiten von der eigentlichen Beschreibung entfernt.
Nach diesen formalen Schwierigkeiten des ersten Teils wird man überrascht von der klaren, konsequent verfolgten Einordnung der ätherischen Öle. Auf über hundert Seiten werden die Öle, alphabetisch geordnet, nach folgender Struktur beschrieben: Pflanzenfamilie, Wirkung körperlich, Wirkung seelisch, Hintergrund, Warnhinweise, Gewinnung, Vorkommen, Duft, Element und Duftnote. Dabei stößt man auf sehr interessante, gut recherchierte Informationen und Hintergründe, die sowohl für den Laien als auch für den fortgeschrittenen Duftliebhaber bedeutsam sind. Im Anschluss an die ätherischen Öle werden bekannte, aber auch besondere Basisöle und Mazerate nach relevant gleicher Struktur beschrieben.
Der Anwendungsteil besticht durch praxisnahe, einfache Anleitungen. Vor der Verwendung wird explizit auf den Armbeugetest, die Duftprobe und die Dosierung hingewiesen. In allen Kapiteln findet man genaue Angaben zu Rezepturen. So kann man sich unter anderem Massageöle, Badezusätze, Parfums, Gesichtspflegemittel und sogar seine Zahnpasta selbst herstellen. Ebenso sind Vorgehensweisen zur Verwendung von Kompressen, Inhalationen und Einreibungen ausführlich beschrieben.
Auch an den Haushalt ist unter anderem mit dem „Mottenschreck“ oder dem „Schuhschrank“ gedacht. Besonders ausgefallen sind die Kapitel Kochen und Backen mit ätherischen Ölen. Dazu gibt es Rezepte wie Vanille-Mandarinen-Kekse, Melissen-Apfel-Aperitif oder Lavendeleis. Tierfreunde erhalten im letzten Kapitel des Buches nützliche Rezepturen zur Versorgung kleiner Wunden, zum Pfotenschutz im Winter oder wie man die Vierbeiner vor Flöhen und Zecken bewahren kann. Als Abschluss des Buches findet sich noch ein alphabetisch geordnetes Krankheitsregister mit Auflistung der zu verwendenden Öle.
Fazit: Trotz der formalen Ecken und Kanten ist dieses preiswerte kleine Buch mit vielen praktischen Zusatzinformationen sehr empfehlenswert.
Susanna Kurz, Dipl.-Psych., Physiotherapeutin, HP in Ausbildung